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Die Gruppenunterkunft »Silbermöwe« in Buren auf Ameland: Hier sollen die Kinder missbraucht worden sein.

Kinder im Ferienlager
auf Ameland vergewaltigt

Betreuer sollen weggesehen haben - Jugendliche gestehen

Von Christian Althoff
Osnabrück (WB). Auf der holländischen Insel Ameland sollen im Sommercamp des Stadtsportbundes Osnabrück sechs bis acht Kinder von Jugendlichen vergewaltigt worden sein.

Oberstaatsanwalt Dr. Alexander Retemeyer: »Wir ermitteln gegen fünf Hauptverdächtige im Alter von 15 und 16 Jahren wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Kindesmissbrauchs.« Drei Jugendliche haben bereits gestanden. Sie stammen wie die weiteren Verdächtigen aus Niedersachsen.
Der Stadtsportbund veranstaltet seit 42 Jahren eine zweiwöchige Ameland-Freizeit, an der diesmal 170 Mädchen und Jungen teilgenommen haben. Sie waren im Ort Buren nach Altersgruppen getrennt in den Häusern »Silbermöwe«, »Sturmia« und »Edelweiß« untergebracht. Zu den Taten soll es am späten Abend und nachts im Schlafsaal des Hauses »Silbermöwe« gekommen sein. Retemeyer: »Die Kinder wurden von den älteren Jugendlichen aus ihren Betten gezerrt und mitten im Saal mit Besenstielen und Colaflaschen vergewaltigt.« Es seien dramatische Szenen gewesen: »Einige Opfer krallten sich weinend und schreiend unter ihren Betten fest. Andere versuchten vergeblich, über die Feuerleiter zu fliehen.«
Alle Opfer sind 13 Jahre alt. Offenbar schämten sie sich zu sehr, als dass sie ihre Eltern anriefen. Sie sollen sich aber Betreuern offenbart haben. Ralf Dammermann, der Geschäftsführer des Stadtsportbundes: »Nach bisherigem Kenntnisstand wollten die Betreuer von dem Missbrauch nichts wissen. Sie haben den Kindern nicht geholfen.« Das sei »unfassbar«, zumal viele Betreuer Sozialpädagogen seien. »Das wird ein Nachspiel haben«, kündigte Dammermann an, und auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück prüft, ob sie ihre Ermittlungen auf die Reisebegleiter ausweitet.
Der Stadtsportbund-Vorsitzende Wolfgang Wellmann sagte dagegen, noch sei nicht klar, ob Kinder den Betreuern tatsächlich »detailliert vom Missbrauch berichtet« oder nur beklagt hätten, sie würden »geärgert«.
Ein Kind, das Zeuge der Vergewaltigungen geworden war, hatte nach der Heimkehr am 8. Juli seiner Mutter davon erzählt. Die hatte den Stadtsportbund informiert, der sofort Anzeige erstattete. Dieter Neuhaus, der die Freizeit organisiert und auch geleitet hatte, trat gestern von diesem Ehrenamt zurück. Er sagte, er habe erst nach der Rückkehr von den Vorwürfen gehört.
Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer: »Wahrscheinlich haben alle 39 Jungen in dem Schlafsaal die Taten mitbekommen - als Täter, Opfer oder Zeugen. Eine Ermittlungskommission der Polizei wird alle vernehmen. Allerdings sind viele Kinder inzwischen mit ihren Eltern in einen weiteren Urlaub gestartet, so dass sich die Ermittlungen hinziehen.« Ob die Täter aus sexuellen Motiven oder aus Lust an Gewalt gehandelt haben, kann die Kripo Osnabrück noch nicht sagen.
Ins Haus »Silbermöwe« ist inzwischen eine Jugendgruppe aus NRW eingezogen. Seite 4: Leitartikel
Aus aller Welt: Bericht

Artikel vom 22.07.2010